Was wäre, wenn Netscape gewonnen hätte?

Dieses Thema im Forum "Member Talk & Offtopic" wurde erstellt von stargate, 28.03.2003.

  1. #1 stargate, 28.03.2003
    stargate

    stargate systemengineer[MOD]

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    Hätte Netscape die Browser-Kriege gewonnen, hätte Bill Gates zum nächsten Chris Hassett werden können. Erinnern Sie sich noch an ihn? Wahrscheinlich nicht, aber genau das meinen wir.

    Es ist die Zeit der Jahrestage im Silicon Valley. Als es auf den 10. März zuging, begingen die Medien in der San Francisco Bay Area pflichtschuldig den dritten Jahrestag des Internet-Booms mit der üblichen Palette an "Damals und heute"-Stories. Die Wahrheit soll nicht verschwiegen werden: Es war ein Datum, dass in dieser Region - ganz zu schweigen von der übrigen Computerbranche - nur wenige Leute in ihren Kalendern angestrichen haben.

    Seit 1999 wurden fast 5.000 Internet-Firmen entweder aufgekauft oder gingen Pleite. Die Computerbranche, die damals ebenfalls einen Boom erlebte, hat immer noch mit den Nachwirkungen des dot-com-Zusammenbruchs zu kämpfen. Und noch ein weiterer großer Jahrestag steht ins Haus: Im nächsten Monat ist es zehn Jahre her, dass der Mosaic Web-Browser erfunden wurde, eine ertragreiche Entwicklung, die schließlich zur Gründung von Netscape führte.

    Heutzutage vegetiert Netscape als desolater Außenposten im riesigen Imperium von AOL Time Warner dahin - etwas ganz Ähnliches, wie eine Verbannung nach Irkutsk. Eine Anmerkung an AOLs PR-Leute: Es hat keinen Zweck, anzurufen, um zu erklären, wie wenig dies zutrifft und welche entscheidende Rolle diese vergessene Software-Abteilung immer noch für die Zukunft des gesamten Konzerns spielt. Das stimmt nicht! Tatsächlich ist der einzige Grund, warum sich nicht mehr Kritiker mit der riesigen Peinlichkeit auseinandersetzen, die Netscape heute darstellt, dass sie einfach zu viel Spaß daran haben, der obersten Geschäftsleitung ihre lange Liste schwerer Fehler unter die Nase zu reiben.

    Man muss wirklich kein Netscape-Fan sein, um den Untergang dessen zu betrauern, das einstmals die coolste Firma im Tech-Reich war. Ich werde hier keine Zeit mit der Wiederholung der wohlbekannten Abfolge von Ereignissen verschwenden, die letztendlich zum Sieg Microsofts über Netscape und der anschließenden Übernahme durch America Online führten. Aber was wäre geschehen, hätte Netscape den Browser-Krieg gegen Microsoft gewonnen - oder zumindest nicht verloren?

    Windows - Ruhe sanft!
    Microsoft musste Netscape beseitigen, weil nichts Geringeres als die Zukunft des Windows-Monopols im Desktop-Bereich auf dem Spiel stand. Wäre es Netscape gelungen, den Internet-Browser erfolgreich in eine populäre Middleware-Plattform umzuwandeln, wäre die Notwendigkeit für ein proprietäres Betriebssystem in steigendem Maße irrelevant geworden, und Bill Gates hätte zum nächsten Chris Hassett werden können. Erinnern Sie sich noch an ihn? Genau das meinte ich...

    Endlich mal ein wirklich cooler Browser

    Am momentanen Zustand der Browser-Technologie ist nichts wirklich Schlechtes - zumindest, wenn man in einer Zeitschleife gefangen ist, in der 1999 niemals endet. Für den Rest der im Internet surfenden Erdbewohner ist das Design der Internet-Browser allerdings schon seit Jahren kein Gegenstand von Interesse mehr. Dies liegt schlicht daran, dass es einfach keine Herausforderer gibt, die Microsoft zu Neuerungen nötigten. Läge Microsoft immer noch hinter Netscape zurück, wäre der Internet Explorer ein weit besseres Produkt. Das ist der Sinn des Wettbewerbs. Sollten die Vorwärts- und Zurück-Pfeile wirklich das letzte Stadium des Schnittstellen-Designs von Internet-Browsern darstellen, wäre die Internet-Welt

    Neue Tech-Gurus
    Der im Silicon Valley herrschende Personenkult würde Leute wie Jim Clark, Jim Barksdale und Marc Andreessen herzlich willkommen heißen. Zumindest wären sie für die Technologie-Diskussion immer noch von Bedeutung. Sie hatten ihre 15 Minuten Ruhm, und heute hängt man wieder an Bill Gates' Lippen - genauso wie damals, 1985, als der Autor dieses Artikels seine ersten Artikel über Technik schrieb. So weit zum Thema Herrschaftswechsel.

    Das Ende des PCs
    Anwendungen, die auf den Browser aufbauen, wären kleiner und unabhängig von Wintel-Designs gewesen. Hätte dies das Ende des uns bekannten PCs eingeläutet? Vielleicht nicht, aber eine Netscape-zentrische Welt hätte den Weg für eine Vielzahl neuer Geräte und Anwendungen geebnet, wie zum Beispiel das Surfen im Internet über das Telefon. Wenigstens aber hätte die Open-Source-Bewegung viel früher Fuß fassen können, als es ihr schließlich gelang.

    Viele werden der in diesem Artikel dargestellten Ansicht widersprechen wollen, aber während man bis zum Abwinken über das Wenn und Aber und das Was-wäre-wenn diskutieren könnte, hat die Computerwelt keinen Vorteil daraus gezogen, dass Netscape in der Bedeutungslosigkeit versunken ist. Dem geneigten Leser eröffnet sich jetzt die Möglichkeit, seine eigenen Gedanken dazu zu machen.


    ZDNet Tech Update
     
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  3. miret

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    Ein ziemlich sinnloses Statement, finde ich!:] (Nicht von stargate! Von zdnet!)
     
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