Über Freie Software, proprietäre Software und kommerzielle Software

Dieses Thema im Forum "Member Talk & Offtopic" wurde erstellt von pinky, 14.03.2005.

  1. #1 pinky, 14.03.2005
    Zuletzt bearbeitet: 14.03.2005
    pinky

    pinky König

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    Hallo,
    dieser Beitrag entstand aus diesem Thread heraus.
    Ich hoffe das ich damit devilz Frage beantworte und das eine sachliche Diskussion entstehen kann.

    Oft wird proprietäre Software mit kommerzieller Software gleichgesetzt, was nicht nur falsch ist, sondern eine sachliche Diskussion auch sehr schwierig macht. Deswegen möchte ich alle bitten, dass im folgenden zu trennen und wirklich nur das zu lesen was da steht ohne dieser Gleichsetzung.

    Lassen wir das kommerzielle erstmal aussen vor. Kommerzieller Erfolg ist in unserer Gesellschaft wichtig aber nicht alles, wenn man mal durch die Gesetze geht, dann findet man an vielen Stellen Einschränkungen zum wohl der Gesellschaft die im zweifelsfall durchaus sub-optimal für den kommerziellen Erfolg sind.

    Bei Freier Software geht es darum, die Freiheit des einzelnen auch in einer digitalen Welt zu sichern. Wichtig ist auch das ich im folgenden von "nützlicher Software" reden und nicht von irgendwelchen kleinen Sachen, Spielen oder ähnliches.
    Es ist in unserer Gesellschaft völlig normal das wir uns untereinander helfen und teilen, ich würde sogar behaupten es ist eine wesentliche Komponente die den Menschen menschlich macht. Dieses sollte auch in der digitalen Welt nicht auf der Strecke bleiben. Oder wollen wir ernsthaft unseren Kindern sagen, dass sie die Schokolade die sie dabei haben mit ihren Freunden teilen sollen, dass Computerspiel oder den Vokabeltrainer ihnen aber auf keinen Fall geben dürfen?
    Das gleiche gilt letzlich für das Recht der Veränderung. Wenn ich ein Programm habe das "1+1" rechnet und ich "2+2" rechnen will, warum soll ich das nicht ändern dürfen, dass betrifft den ursprünglichen Autor überhaupt nicht.

    Für alle denen es schon auf der Zunge brennt will ich jetzt das Schlagwort "kommerziell" ins Spiel bringen.
    Vieleicht werden einige sagen, dadurch das ich das Verändern erlaube verliert der Autor mögliche Einnahmen durch Support und Weiterentwicklung. Das kann sein, wobei es letztlich eine rein hypothetische Annahme ist, wer sagt das mir die Änderung so wichtig war das ich dafür wirklich was gezahlt hätte und wer sagt mir das der Autor überhaupt an dieser Änderung interesse hätte?
    Aber gehen wir mal davon aus, dass all diese Fragen positiv (für den Autor) beantwortet werden können.
    Warum verbieten wir dann nicht mit einer Lizenz, dass Leute am Auto rum schrauben, die Reifen wächseln, den Fernseh öffnen, zu einer Werkstatt ihrer Wahl gehen,... ? Durch das alles verliert die Vertragswerkstatt im zweifelsfall auch Kunden.
    Wir sehen also, auch in der realen Welt ist nicht alles auf kommerz (von einzelnen (Groß-)Konzernen) ausgelegt, es gibt also in der realen Welt noch eine andere Komponente, der Mensch, dieGesellschaft und die Freiheit (sowohl von dem Kunden als auch von der Konkurrenz (-> freie Marktwirtschaft)). Warum sollte man diese in der digitalen Welt aufgeben?

    Als nächstes das Argument der Konkurrenz. Zuerst möchte ich sagen, dass Freie Software nicht heißt, dass ich jedem eine Kopie geben muß, darauf werde ich aber später noch genauer eingehen.
    Software ist grundsätlich verschieden zu materiellen Gütern.
    Wenn ich als Konkurrenz weiß wie ein neuer Motor aufgebaut ist (also z.B. die Baumpläne habe), dann habe ich den relativ schnell nachgebaut, vorausgesetzt ich bin schon im Geschäft habe also Fabrik, Material, Maschinen, Mechaniker usw.
    Übrigens kann hier auch jedes Konkurrenzunternehmen ein Auto mit dem Motor kaufen und ihn zerlegen und schauen wie und mit welchen Materialien er gebaut wurde.
    Bei Software sieht es anders aus. Selbst wenn er gesehen und verstanden hat was ich mache. Dann dauert eine Entwicklung eines Programms dass das gleiche macht wie meines nahezu genauso lange wie meine Erstentwicklung. Der Hauptaufwand liegt hier nämlich im programmieren, testen, bug-fixen. Darin werde ich bei meinem Projekt nicht merklich schneller wenn ich vorher monatelang den Quellcode eines Konkurrenten studiert habe. Jeder der sich schonmal fremden Code mit nur ein paar hundert Zeilen angesehen hat kann sich vorstellen wie schwer es ist sich in ein großes Projekt reinzudenken und danach ist man seinem Programm noch keinen Schritt näher.
    In vielen Fällen ist es sogar ungeschickt, wenn man sich den Quellcode ansieht. Erstens bringt es einen in 99% der Fälle nicht weiter, das wesentliche erfährt man schon wenn man weiß was das Programm genau macht. Zweitens läuft man dabei Gefahr, dass man am ende gewollt oder ungewollt etwas abschreibt und so das Urheberrecht verletzt.


    Prinzipiell zum Thema Geld verdienen mit Software.

    Software für den 'normalen' Kunden macht einen sehr kleinen Teil aus, ich würde sagen höchstens 10% des Softwaremarktes.
    Beschäftigen wir uns trotzdem kurz mit diesen 10%.
    Wer ließt ernsthaft die Lizenz eines Programms? ich würde mal sagen 99% machen das nicht, was spielt es also praktisch, für die Chancen des geldverdienens, für eine Rolle was da drin steht?
    Ich behaupte egal ob im Regal eine Schachtel mit k3b steht oder mit Nero die Verkaufszahlen sind die gleichen (vorausgesetzt die Programme sind gleich gut und keiner hat einen Vorteil im Bekanntheitsgrad).
    Was passiert nachdem es gekauft wurde? Es wird verwendet und wenn ein Freund nach der CD fragt, dann wird man sie ihm wahrscheinlich auch geben, vollkommen unabhängig ob man im Laden vorher zur k3b oder zur Nero Schachtel gegriffen hat.
    Vermutlich wird auch irgendwann mal eine Kopie im p2p Netz auftauchen, wieder vollkommen egal welche Schachtel man gekauft hat.
    Praktisch ändert sich also kaum etwas, bis auf die Tatsache, dass man Menschen nicht in die illegalität treibt wenn sie die natürlichen Umgang mit Software pfelegen, dass ist für mich in erster Linie ein Gewinn für die Gesellschaft und Menschlichkeit.
    Damit hätten wir den Bereich, mit dem man eh am wenigsten Geld macht abgehandelt.

    Kommen wir zu dem restlichen 90%:
    Zuerst die interne-Enwticklung. Hier kann ich mich kurz fassen, da das schon Freie Software ist. Alle die damit arbeiten haben für gewöhnlich Zugriff auf das Programm oder/und auf die Programmierer.
    Software für den "Profi Bereich". Hier ist es nicht unüblich, dass der Kunde die ganze Entwicklungskosten tragen. Mit Fertigstellung des Programms bekommt das Unternehmen also auch seine kompletten Kosten+Gewinn. Der Kunde wird zufrieden mit der Software arbeiten und bei Support Fragen oder Weiterentwicklungen kommt er auf das Unternehmen zurück (vorausgesetzt es hat gute Arbeit geleistet und gute Preise, eben eine typische freie Marktwirtschaft auf die ja alle (auch die Unternehmer) so stolz sind).
    Eine dritte Komponente in den 90% ist die spezial Software für den Kunden.
    Diese Software ist oft nicht billig (mehrere hundert oder sogar tausend Euro). Wenn sich ein Unternehmen diese Software kauft um seine Arbeitsabläufe zu optimieren, wird dieser dann seiner Konkurrenz auch eine Kopie geben und damit seinen ganzen Vorteil kaputt machen und der Konkurrenz auch noch das kaufen der teuren Software ersparen? Ich glaube kaum, hier wirkt also das ganz normale Konkurrenzverhalten unter den Unternehmen. Die Kunden werden oft auch aus einem ganz anderen Bereich kommen, also kein interesse am Quellcode haben, ihn also nicht anfordern, und immer wieder zu dem Unternehmen zurückkommen, vorausgesetzt das Preis- Leistungsverhältnis stimmt.

    Ich könnte noch einiges schreiben, aber ich denke das ist schon sehr viel (ich hoffe es ließt überhaupt jemand bis zu ende ;) ).
    Auf jedenfall konnte ich meine Grundgedanken beschreiben und eine Diskussionsbasis liefern. Sollten mehr Details zu dem einem oder anderen Punkt nötig sein, dann wird sich das sicher in der Diskussion ergeben.

    Als Fazit komme ich zum ersten Satz zurück. Freie Software ist ein Grundlegende Frage, ob die Freiheit der Menschen in der digitalen Welt erhalten bleibt. Bei Freier Software gibt es dann Sachen die nach der "Freibier" Methode entwickelt werden, welche aber auch kommerziell vertrieben werden (Beispiel Distributionen) und es gibt Sachen die nicht in einer Community Entwickelt werden, Gründe kann es dafür mehrere geben, da wird dann die Entwicklung und der Vertrieb kommerziell gemacht, dass ist aber unabhängig davon welche Freiheiten ich den Empfängern einer Kopie gebe.
     
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  3. etuli

    etuli Betrunken

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    Das Beispiel hinkt. Heutzutage kannst du froh sein, wenn du noch Oel nachgiessen darfst, ohne zu einer Vertragswerkstatt fahren zu muessen, damit sie dir das mit dem speziellen Oel des Herstellers machen. Gegen viel Geld versteht sich.

    Das ist schlicht falsch. Der Quellcode interessiert hier einen Dreck. Interessant ist lediglich das System-Design und die vielen Ideen (Innovationen), die man problemlos klauen kann und so eine Menge Zeit und Geld spart.

    Dann sterben jedoch die kleinen Unternehmen. Die bekommen naemlich nix, ausser ihren mikrigen 10%, wenn dann ueberhaupt. Ich kann nicht verstehen, warum du diesen die Existenzberechtigung absprichst.

    Mal so nebenbei. Dieser Bereich stellt alle anderen von dir genannten Bereiche in den Schatten. Software ist ein Investitionsgut fuer Firmen, wie Maschinen, oder Mitarbeiter.

    Ich frage mich, wie du von dem da oben, auf das hier gekommen bist.

    Die wirklich grossen Systeme haben nur so einen Erfolg, respektiv Linux, weil sie so intensiv gefoerdert werden durch die Wirtschaft. Systeme wie Java durch das Unternehmen, das hinter ihnen steht, MySQL etwa, weil das Unternehmen durch die freie Loesung an kommerzielle Kunden gelangt und schult, und etwa OpenOffice/StarOffice, weil sie durch ihre Software an SupportVertraege kommen.

    mfg
     
  4. #3 pinky, 14.03.2005
    Zuletzt bearbeitet: 14.03.2005
    pinky

    pinky König

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    klar, ein Vergliche mit materiellen Gütern hinkt immer, warum habe ich ja auch im Text erklärt.
    Aber er macht trotzdem einiges klar. Denn selbst wenn du heute nichtmehr soviel ändern kannst wie vorher, dann liegt das in erster Linie an der Technik heutzutage und nicht an einer künstlichen Einschränkung durch Gesetze und/oder Lizenzen. Ich kann immernoch einiges selber machen und es gibt auch Leute die sich, nachdem sie Jahrelang bei einem Unternehmen gearbeitet haben, selbstständig machen und so ziemlich alle Dienstleistungen um das Auto anbieten. Da ich eben wenn ich das Auto gekauft habe damit machen kann was ich will und mir auch meine Werkstatt aussuchen kann (es muß keine Vertragswerkstatt sein).
    So wie du bei dem heutigen Auto argumentierst, könnte ich auch sagen das sich die meisten Leute nicht in den bestehenden Quellcode einarbeiten können weil es zu schwer ist. Das rechtfertigt aber nicht das man es nicht erlaubt bzw. die die es können in die illegalität treibt.

    Der Quellcode ist oft uninterssant? Richtig. Habe ich selber auch geschrieben. Gerade deswegen bringt es der Konkurrenz nicht viel wenn sie möglicherweise an den Quellcode kommen, nochmal Freie Software heißt nicht, dass ich es jedem auf die Nase binden muß.
    Ausserdem kann ich mir in anderen Bereichen Ideen auch abschauen. Ich gehe zum Konkurrenzrestaurant und bestelle mal die Spezialität, schau mir seine Dekoration an oder seine monatliche Sonderveranstaltung mit der er neue Kunden anzieht.Oder, ich schau mir mal die neue Kollektion des Konkurrenzschreiners an und baue vielleicht was ähnliches für meine Kollektion,...

    Nein, auch die wenigsten kleinen Unternehmen sind in diesem 10% Sektor beschäftigt. Ausserdem habe ich diesem Sektor nicht die Existenzberechtigung abgesprochen sondern argumentiert, dass da die Lizenz sowieso keine wirkliche Rolle spielt.

    wie gesagt, ich argumentiere nicht gegen die Wirtschaft oder gegen kommerzielle Software.

    genau, deswegen hätte java den gleichen Erfolg oder sogar einen noch größeren wenn es unter einer freien Lizenz stehen würde.

    und das trotz einer freien Lizenz.

    Nochmal, man muß kommerziell und proprietär trennen!
    Ich argumentiere nicht gegen kommerzielle Software und gegen Unternehmen, sogar eher dafür. Mir geht es um die Bedingungen unter denen der Kunde die Software bekommt.
     
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