Linux Systemadministration v. Jochen Hein

Dieses Thema im Forum "Buchrezensionen" wurde erstellt von Edward Nigma, 06.10.2004.

  1. #1 Edward Nigma, 06.10.2004
    Zuletzt bearbeitet: 06.10.2004
    Edward Nigma

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    Buchrezension: Linux Systemadministration von Jochen Hein

    Linux wird immer interessanter. Große Unternehmen, Kommunen oder auch Privat zu Hause wird das alternative Betriebssystem in fast jedem Bereich immer häufiger eingesetzt. Das einst kritisierte Hackersystem mit hohem Bastelfaktor ist erwachsen geworden, und hat sich in den letzten Jahren zu einem High-End Betriebssystem gemausert. Da nicht nur Linux und die Community gewachsen sind, sondern auch die Anzahl der Dokumentationen und Bücher, fällt es einem oft nicht leicht, das Richtige zu finden.
    Addison-Wesley hat es sich zum Ziel gesetzt hochwertige Computer-Literatur zu entwickeln. Aus dem reichhaltigen Reportoire des Verlages möchte ich euch den Titel “Linux Systemadministration” von Jochen Hein vorstellen.

    Einrichtung, Verwaltung, Netzwerkbetrieb

    Die Einrichtung und Verwaltung von Linux ist gerade für Ein- und Umsteiger oft ein Buch mit sieben Siegeln. Selbst fortgeschrittene User können sich nicht alles merken und greifen gerne mal zu einem Buch zurück. Jochen Hein will uns mit seinem Buch eine praktische Hilfestellung geben. In insgesamt 28 Kapitel wird Schritt für Schritt dem Leser der Aufbau und die Funktionen von Linux näher gebracht.

    Linux – das Betriebssystem der Zukunft?

    Ist Linux wirklich das Betriebssystem der Zukunft? Diese Frage kann natürlich keiner beantworten. Jochen Hein verschafft uns im ersten Kapitel seines Buches einen kleinen Überblick der Features die Linux bereits heute zu bieten hat. Dabei vergleicht er auch die Distributionen, die er im Laufe der Zeit ausprobierte. Zu denen gehören Debian GNU/Linux, Mandrake-, Red Hat-, Slackware- und Suse-Linux.
    Aber wie sieht nun die Zukunft von Linux aus? Ist so ein komplexes Projekt überhaupt auf Dauer machbar? Herr Hein versucht auf diese Fragen eine Antowrt zu geben, indem er zukünftige Standards beschreibt die der Linux-Kernel früher oder später untersützen wird. Natürlich spielt dabei die Entwicklung von Open Source eine große Rolle, was auch nicht verschwiegen wird.
    Sogar auf die Probleme von Software-Patenten und das Recht auf geistiges Eigentum wird in diesem Kapitel erwähnt. Gerade heute ist das ja ein heiß diskutiertes Thema.

    Inhalt des Buches


    Beim Überfliegen der Kapitel wird sehr schnell deutlich, daß das Buch zwei große Teile hat. Im ersten Teil wird dem Leser viel Basiswissen über das alternative Betriebssystem vermittelt. Dabei werden nicht, wie so oft, erst die Abläufe und Prozesse beschrieben wenn das System bereits läuft. Nein, Jochen Hein fängt ganz vorne an, nämlich beim Basic-Input/Output-System kurz BIOS genannt. Schritt für Schritt bringt der Autor Licht ins Dunkel des Bootprozesses, beschreibt sehr ausführlich die Funktionen und Unterschiede der einzelnen Boot-Loader bis hin zum Start des Kernels. Anschließend verrät er noch jede Menge Tipps und Tricks zur Boot-Konfiguration.
    Linux bietet unzählige Konfigurationsmöglichkeiten. Zudem hat jeder Benutzer andere Bedürfnisse an sein System. Jochen Hein beschränkt sich deshalb aufs Wesentliche. Er stellt dem Leser die wichtigsten Konfigurationsmöglichkeiten von Kernel, Benutzer und Gruppen, bis hin zum X-Window-System vor. Hilfreiche Tools, die das Einstellen und Arbeiten mit Linux vereinfachen, werden natürlich auch erwähnt. Dem Editor Emacs widmet Herr Hein sogar ein ganzes Kapitel.
    Zum Ende des ersten Teils geht es um Emulatoren unter Linux. viele Betriebssysteme sind untereinander meist nicht kompatibel. Oft findet man nach langem Suchen ein nützliches Programm und muss feststellen, daß es nicht nativ unter Linux läuft. Abhilfe können hier diverse Emulatoren wie “dosemu” (ein BIOS-emulator), “wine” (ein Windows-Emulator) oder “hercules” (ein Mainframe-Emulator) schaffen. Der Bekannteste dürfte für den Leser sicherlich “wine” sein. Grundlegendes über diesen Emulator erklärt der Autor auf knapp 5 Seiten.

    Im zweiten Teil des Buches geht es überwiegend um vernetzte Umgebungen mit Linux. Sehr interessant sicherlich für die, die zu Hause ein Netzwerk haben oder planen eins aufzubauen. Aber auch der Administrator, der verantwortlich für das Firmennetzwerk ist, findet in diesem zweiten Teil Nützliches. Neben den TCP/IP-Grundlagen beschreibt Hein auch in welcher Weise man Applikationen wie Web-Browser oder Internet Relay Chat (IRC) im Netzwerk einsetzen kann.Die klassischen Anwendungen wie Telnet, das File-Transfer-Protokoll (ftp) oder die r-Tools stellt der Autor in einem Kapitel sehr ausfürlich vor. Obwohl diese nicht mehr ganz aktuell sind, sind diese Programme immer noch sehr beliebt.
    Hier sind aber die Fähigkeiten von Linux noch lange nicht erschöpft. Als nächstes beschreibt Jochen Hein welche Server- und Clientarten mit Linux realisiert werden können. In je einem Kaptitel erklärt Hein gut verständlich den Aufbau und die Funktionen von NFS (Network File System), Nameserver, NIS (Networkinformation Service) und natürlich dem ftp-Server. Kapitel 21 zeigt, daß das alternative Betriebssystem sich auch in einem hetrogenen Netzwerk sehr wohl fühlt. Zum Ende des Buches widmet sich Jochen Hein noch den verschiedenen Arten des Internetzuganges, dem VPN (Virtuelle Private Network) und natürlich der Administration eines Netzwerkes.

    Fazit

    Beim Lesen wird eins schnell klar. Ohne wenigstens ein paar Grundkenntnisse über Linux ist vieles unverständlich, und es bleiben Fragen offen. Ich denke, daß der Autor mit seinem Werk auch nicht unbedingt den Einsteiger ansprechen will. Trotzdem habe ich auch ein wenig Kritik.
    Als ich das Kapitel “Der Editor Emacs” las, fragte ich mich was denn mit “vi” ist? Belohnt wurde ich leider erst zum Schluss. Denn im Anhang sind noch einmal vier mit Buchstaben gekennzeichnete Kapitel und unter “A” findet der Leser eine Beschreibung des Editors “vi”. Ich würde mir wünschen, wenn dieses Kapitel in der nächsten Auflage direkt im Anschluss von Kapitel 6 “Der Editor Emacs” kommen würde. Somit wird es einfacher einen Vergleich zu ziehen.
    Auch habe ich ein Kapitel vermisst das sich speziell mit der Sicherheit unter Linux auseinandersetzt. Im Internet und im Netzwerk ist das ein sehr wichtiges Thema.
    Trotzdem hat mir das Buch durchweg sehr gut gefallen. Jeder der sich schon eine Weile mit Linux beschäftigt, und tiefer in die Materie einsteigen will, empfehle ich das Buch Linux Systemadministration von Jochen Hein.

    Jochen Hein, Linux Systemadministration. 2002 Addison-Wesley Verlag. Auflage 4. 648 Seiten 49,95 €
     
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