GPLv3...Entwicklung...Zukunft?

Dieses Thema im Forum "Member Talk & Offtopic" wurde erstellt von Edward Nigma, 28.09.2006.

  1. #1 Edward Nigma, 28.09.2006
    Edward Nigma

    Edward Nigma Back again!

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    Hallo

    Ich bin mir sicher, daß einige von euch die Diskusion der Kernel-Entwickler und der FSF über die GPLv3 verfolgen.
    Also je mehr ich darüber lese, desto mehr besorgt es mich und ich bekomme zunehmend ein ungutes Gefühl in die Magengegend.

    Was haltet ihr denn vom aktuellen Entwurf der GPLv3?
    Was sagt ihr zur Ablehnung Linus Torvalds und einigen anderen Entwicklern?

    Das würde mich einfach mal interessieren....
     
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  3. brahma

    brahma Netzpirat

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    Ich hab mich noch nicht sooo genau damit befasst, aber gut fand ich bisher das man durchaus auch weiterhin die GPLv2 weiter nutzen kann, das die Kernel-Entwickler anscheinend wohl tun werden wenn die V3 weiterhin abgelehnt wird, und ich denke dem werden sich dann einige andere auch anschliessen, je nach Bedarf.
     
  4. Zico

    Zico Lebende Foren Legende

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    Ich frag emich bis heute warum man ein freies System in seitenlangen Manifesten erklären muss. ;)
    Scherz beiseite.

    Ich gebe zu, dass ich mir den neusten Entwurf noch nicht zu Gemüte geführt habe, aber ich persönlich fände es Schade, wenn die GPLv3 am Ende im Bereich Closed Source (ich denke doch, dass da die meisten Streitpunkte bestehen) eher einschränkend wirkt.

    Ich kann den Grundgedanken zwar nachvollziehen, jedoch nicht unbedingt o.g. gänzlich zu verbieten. Freiheit einen Code zu verändern oder Freiheit, dass ich einen unveränderbaren Code überhaupt noch nutzen "darf". Ich persönlich empfände dies eher als eine Einschränkung. Und das Wort konnte ich mit GPL bisher NIE in Verbindung bringen auch wenn sie Closed Source an sich ja nicht abdeckt und ablehnt. Wie auch immer, es besteht für mich einen Unterschied sich für Freiheit einzusetzen und darin ein weniger freies auszuschließen.

    Die GPLv2 als "Kompatibilität" zu nutzen ist sicherlich eine ganz tolle Sache nur bleibt die Frage offen ob diese sich dann nicht auch irgendwann gegenseitig ausschließen bzw zueinander inkompatibel werden.

    Ein weiterer Punkt... ich hoffe sehr, dass all diese Entwicklung am Ende nicht zu einem undurchsichtigen Wirrwar wird a la:

    "Mein Programm unter Lizenz XYZ wurd emit einem Compiler mit Lizens ABC compiliert und ist nun auf GNU, welches unter der GPL steht illegal, obwohl XYZ einen offenen Code erlaubt."

    Ich kann Linus' Haltung verstehen. Wenn man dem was man in Just for Fun liest Glauben schenkt, so passt der Buchtitel sehr gut auf seine Einstellung beim programmieren. Wie es bei mir eben auch ist. Der Mann schreibt einen Code, er mag ihn tauschen, will Feedback, lässt Mitarbeit zu, stellt ihn unter eine Lizenz, die all das erlaubt und nun heisst es dann "Sorry, dein Code ist nicht mehr kompatibel. Aber nicht zu unserem System sondern zur GPL."
    Ich weiss nicht ob Linus' das so sieht, oder ihm andere Teile an der GPL übel aufstoßen, doch im Grunde glaube ich dass er einfach "Frei wie Freiheit" und "Einschränkung" (ja manche Punkte kann man nicht anders verstehen) ebenso wenig zusammenbringen kann.
     
  5. #4 tuxlover, 09.10.2006
    tuxlover

    tuxlover Der den Tux knuddelt

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    was ist denn eigentlich der große unterschied zwischen gpl und gpl 3? würde mich echt mal interressieren. zumal ich auch schon viel darüber in der ct gelesen habe.

    danke gruß tuxlover
     
  6. #5 cuddlytux, 09.10.2006
    cuddlytux

    cuddlytux Alles außer unix ist sc..

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    Mach Dir selbst ein Bild ;-) :

    http://www.gnu.org/copyleft/gpl.html
    http://gplv3.fsf.org/draft

    Ich denke das mit der GPL in der 3. Version die Fremdpatentierung von freiem Sourcode durch Firmen verhindert werden soll.

    Code:
    http://gplv3.fsf.org/draft
    Finally, every program is threatened constantly by software patents.
    States should not allow patents to restrict development and use of
    software on general-purpose computers, but in places where they
    do, we wish to avoid the special danger that redistributors of a free
    program will individually obtain patent licenses, in effect making the
     program proprietary. To prevent this, the GPL assures that patents
     cannot be used to render the program non-free.
    
    Er kämpft mit jedem Mittel für die FREIHEIT seiner "Schäfchen".
    Ich glaube aber das sich RWS - wenn das so weiter geht - in eine Papierschlacht gegen die Regierung (US) stürzen wird :dreht: .<br>
    Allerdings darf das nicht zulasten der Software werden, wenn plötzlich 1 mib software und 32 mib GPL in einem Päckchen stecken. ;-)

    Gruß

    Jan-Michael
     
  7. #6 pinky, 09.10.2006
    Zuletzt bearbeitet: 09.10.2006
    pinky

    pinky König

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    Ich verfolge den GPLv3 Prozess seit dem Beginn sehr ausführlich, habe viel gelesen und mir auch viele Aufzeichnungen der GPLv3 Konferenzen angesehen.

    Ich muss sagen mir gefällt die GPLv3. Sie sorgt dafür, dass die GPL in der Gegenwart und in der Zukunft genau das gleiche erreicht was die GPLv2 in der Vergangenheit erreicht hat. Seit GPLv2 haben sich sowohl die Gesetze als auch die Technologie verändert was dafür gesorgt hat, dass die GPLv2 heute Lücken aufweist die sie vor einigen Jahren noch nicht hatte. Diese Lücken werden mit GPLv3 geschlossen und die GPL erhält so ihre alte stärke zurück.

    Was die Kritik von Linus Torvalds angeht mache ich mir darüber keine Sorgen. Ersten ist Linux mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit (leider) sowieso für immer GPLv2 und zweitens hat Linus bewiesen, dass er sich eigentlich garnicht um den Entwurf der GPLv3 kümmert. Er hat mehrere Einladungen zu Gesprächen und zur Beteiligung ausgeschlagen und er hat von Beginn an Gerüchte in die Welt gesetzt die so einfach nicht gestimmt haben. Es tut mir leid das sagen zu müssen, aber Linus ist in meinen Augen in diesem Prozess nichts anderes als ein prominenter Troll der sich das nur wegen seinem Namen erlauben kann. Das sehe nicht nur ich so, prominente Open Source Vertreter wie Bruce Perence können Linus auch nicht verstehen.

    Der GPLv3 Prozess versucht alle mit einzubeziehen. Sowohl Firmen wie IBM, Intel, Novell,... als auch die Community und viele individuen. Von keinem hört man Kritik in der Form wie von einer Hand voll Linux Hacker, man sollte diese also in meinen Augen nicht überbewerten.

    Nur weil jemand die meisten Lärm macht sollte man nicht die anderen vergessen und letztlich ist Linux auch nur ein Programm unter vielen die das GNU/Linux OS ausmachen.
    Ich denke Luis Villa (GNOME Hacker) hat das z.B. sehr gut zusammengefasst:
    - What the kernel guys are and aren't (and really should be) saying about GPL v3
    - what the kernel guys got wrong

    Dazu kommt was z.B. Was Simon Phipps (Sun) dazu sagt oder was man von Dietmar Tallroth (Nokia) so hört:

    "According to Mr Tallroth, the potential issues with DRM were clarified sufficiently for Nokia. He expressed understanding and acceptance of the position taken by FSF, and provided that the result of the recent discussions is present in the next draft, there are only a few more points to clarify in the software patent language, for which he was generally optimistic.
    Indeed, Mr Tallroth was very explicit on how he found the Free Software Foundation very reasonable, pragmatic and indeed considerate of input into GPLv3 -- which he said contradicted the image that some people were having. So his conclusion was that unless there were major surprises, Nokia will be going with GPLv3.
    It would be an odd item in the history of Free Software if major companies like Nokia have end up having no problems with GPLv3, but the Linux kernel refuses to use it for what is a percieved lack of friendliness with the commercial world."
    (Quelle)

    So, dass sollte mal ein kleiner Überblick sein, da viele gerne Linus als den größten und das wichtigste sehen und dadurch vergessen, dass es noch viele andere Interessensgruppen in der Freien Software Welt gibt und diese zu einem großen Teil mit dem GPLv3 Prozess zufrienden sind, zumindest findet sich niemand ausserhalb des Linux Lagers der dieser Kritik von Linus zustimmt.
     
  8. #7 cuddlytux, 09.10.2006
    Zuletzt bearbeitet: 09.10.2006
    cuddlytux

    cuddlytux Alles außer unix ist sc..

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    So kann man das nicht ausdrücken; er ist trotzdem noch der Leiter des wichtigsten Unterprojektes des GNU-Projekts. Allerdings halte ich die GPLv3 auch für sinvoll, weil man ja schon sieht, was durch "Software-Patente" alles passieren kann. Siehe z.B. lame: Der unter GPL-lizenzierte MPEG-1 Audio Layer 3 Encoder darf in den USA nur unter Lizenzzahlungen an das Fraunhofer Institut weitergegeben werden.
    Ich hoffe, dass die Kernelentwickler und vorallem der "Gottvater" Torvalds vielleicht doch die 3. Version der GPL akzeptieren.
    <edit>
    Leider zerstreiten sich soziale Verbände meist aufgrund Ihrer Unterschiedlichkeiten und können danach nicht mehr richtig kooperieren...</edit
    Aber zur Zufriedenstellung aller steht in der GPL folgende Klausel
    Code:
    9.
    [...]
    Each version is given a distinguishing version number. If the Program
    specifies a version number of this License which applies to it and "any later
    version", you have the option of following the terms and conditions either
    of that version or of any later version published by the Free Software
    Foundation. If the Program does not specify a version number of this
    License, you may choose any version ever published by the Free Software
    Foundation.
    
    GPL lesen statt sich das Geschrei der leute anhören :)
     
  9. pinky

    pinky König

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    Das steht ausser Frage, aber auch das gibt einem nicht das Recht FUD zu verbreiten. Als eine solche Persönlichkeit sollte man sich eher konstruktiv an einem solchen Prozess beteiligen oder raus halten.
     
  10. theton

    theton Bitmuncher

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    Aehm... ich weiss nicht ob dir klar ist was Linux ist? Wenn Linus Torvalds, und viele andere Entwickler mit ihm, den Kernel (der ja nunmal Linux ist) nicht geschrieben hätten, würde es auch die ganze andere Software nicht geben. Es ist also DAS "Programm" auf dem alles aufbaut. Ohne Kernel keine Programme. Das sollte man dabei nicht vergessen und unter Kernel-Entwicklern ist die GPLv3 allgemein sehr unbeliebt. Die GPLv3 mag in bestimmten Dingen zukunftsweisend sein, doch legt sie den Entwicklern in einigen Bereichen auch "Fesseln" an und das ist es, was Linus gegen den Strich geht.
     
  11. pinky

    pinky König

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    Falsch, die ganze andere Software die ein OS ausmacht gab es schon, Linux war das letzte Programm was davon entwickelt wurde. Wäre es Linux nicht gewesen, wäre es ein anderer Kernel geworden. Vielleicht hätten sich mehr Entwickler an Hurd beteiligt, vielleicht hätte sich aber Hurd aufgrund der technischen probleme genauso langsam entwickelt wie er sich mit Linux entwickelt hat, dann wäre ein paar Jahren später der BSD Kernel als alternative bereit gestanden. Oder jemand anderes hätte einen Kernel geschrieben. Da man schon alles bis auf den Kernel hatte was man für ein OS braucht, ist es sehr unwahrscheinlich das an der Stelle plötzlich alle aufgehört hätten wenn Linus nicht gewesen wäre.

    Aber lassen wir das, weil das ist eh off-topic.

    Beispiele? (Am besten mit Zitat der entsprechenden Stelle im Entwurf der GPLv3)
     
  12. #11 Zico, 10.10.2006
    Zuletzt bearbeitet: 10.10.2006
    Zico

    Zico Lebende Foren Legende

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    Naja, nur mal so aus der Luft gegriffen, wie ich schon oben geschrieben hab:
    "Mein Programm unter Lizenz XYZ wurde mit einem Compiler mit Lizens ABC compiliert ..." dabei mal vollkommen freigestellt ob ABC open- oder ClosedSource ist, darf mein Programm dann GPLv3 sein?

    Oder ich bastel einen MediaPlayer, welches Videos abspielen kann, wessen Codecs nicht unter freier Lizenz stehen. Codecs sind dann natürlich entsprechend eingebunden (siehe MPlayer) Ist das Programm an sich dann noch kompatibel zu GPLv3?

    Eigentlich ja nicht, denn sonst wäre der Kernel, welcher - so wie ich das verstehe - nur dahe rnicht unter GPLv3 lizensiert werden kann, da er ClosedSource Software/Treiber enthalten kann.

    Vllt versteh ich das auch falsch. Daher bitte korrigieren, wenns nicht stimmt.

    Für mich ist das alles sehr verwirrend und WENN die o.g Fälle so zutreffen (sprich nicht-GPLv3 konform) so würde das für mich zumidndest eine Einschränkung bedeuten. zumidnest für die Nutzer ebenso da sie im Falle des "MediaPlayers" keine WMV Dateien (Beispiel) abspielen könnten, da diese keine offenen Codecs haben und so nicht mit dem MediaPlayer kompatibel sind ohne dessen Lizenz zu verletzen.
    Also wäre der Nutzer zwar frei von ClosedSource aber weniger frei in der auswahl seiner Videos bzw Videoauswahl...

    Wie gesagt, ich weiss nicht ob ich das richtig versteh. Die GPL liest sich irgendwie total verwirrend.

    Ich kann auch nicht beurteilen ob Linux mit seiner "Verherrlichung" (wie es einge gerne nennen) der GPLv2 unrecht hat. Aber "trollen" find ich auch ziemlich daneben ausgedrückt. Ich kann auch nicht sagen, dass ich in der Sache "voll hinter Linus stehe", aber das tu ich bei RMS auch nicht. Da nehm ich mir die "Freiheit" auf eigene Meinung :)

    Ich glaub der Haupt"Angstpunkt" in GPLv3 ist einfach der, dass viele denken, dass auf einem "LinuxSystem" bald nur noch Programme lauffähig sind, die ebenfalls unter GPL stehen.
    Die ganze zweischneidige Sache mit "Don't buy from ATi" hat das ganze zusätzlich geschürt.
    Was die GPLv3 dahingehend sagt, an "Hintertürchen" enthält, oder ob sie sich in diese Richtung entwickelt, kann ich irgendwie immer noch nicht richtig rauslesen (Müdigkeit, ggf nicht ausreichend komplexe Englischkenntnisse).
    *Wenn* dem so ist finde *ich*s jedoch auch nicht wirklich schön. Aber wie gesagt, ich kann auch falsch liegen, da ich vllt mal 10% des Drafts wirklich verstanden hab.
     
  13. #12 theton, 10.10.2006
    Zuletzt bearbeitet: 10.10.2006
    theton

    theton Bitmuncher

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    Nehmen wir einfach mal als Beispiel den Absatz 5.[2]b. Ich muss meine Arbeit als ganzes unter eine Lizenz stellen. Ich kann also keine Closed-Source-Teile einfügen. Hiermit haben die Kernel-Entwickler ein Problem, denn Closed-Source-Treiber wie sie ATI liefert wären dann nicht mehr möglich.

    Ich gebe dir auch gern noch ein Beispiel aus der Praxis:
    Ich persönlich hätte damit auch ein Problem, da ich z.B. am Projekt Cultbooking beteiligt bin. Cultbooking stellt ein Interface für Online-Buchungen für Hotels zur Verfügung (das die Hotels z.B. in ihre Homepage integrieren können), wobei aber bestimmte DB-Routinen und anderes auf den Servern unserer Firma laufen. Wir haben das Interface OpenSource gegeben http://http://sourceforge.net/projects/cultbooking/ den dahinter arbeitenden CultSwitch, der die Linkung der OTA-Daten aus den Hotel-CMS in unser System und zu diversen Anbietern wie hrs.de, hotel.de usw. macht, aber nicht. Die Verbreitung unseres Online-Buchungssystems ist dadurch enorm gestiegen und es haben sich einige Entwickler gefunden, die dabei sind neue Features wie Mietwagen-Buchung, Flug-Reservierung u.ä. zu implementieren. Dadurch müssen die Hotels für ein Tool nichts mehr zahlen, für das man sonst eine Menge Geld hinlegen musste und wir haben Werbung für unsere Firma. Unter die GPLv3 könnten wir unser Tool nicht stellen, denn dann müssten wir quasi die kompletten Sources, die bei uns entwickelt wurden, freigeben, weil alles ineinander greift und eines das andere benutzt. Daher werden wir bei GPLv2 bleiben, denn die v3 würde uns regelrecht dazu zwingen auch dieses Tool wieder Closed-Source zu machen und mit kommerziellen Lizenzen zu versehen. Und darum kommt bei meinen Projekten die GPLv3 nicht in Frage.

    Weiter geht's mit 5.[2]c. Sobald mein Programm ein Benutzer-Interface hat, muss ich eine Option einbauen, die Copyright-Hinweise anzeigt. Es reicht also nicht mehr aus das im Source zu vermerken. Selbst das Skript, das das Konfigurationsmenü des Kernels anzeigt (make menuconfig) muss also irgendwo einen Button haben, der auf die Lizenzierung hinweist. In meinen Augen total unnoetig.
    Weiterhin muss ein Hinweis enthalten sein, dass ich keine Garantie für das Programm gebe. (selbiger Absatz "...and tells the user that there is no warranty for the program..."). Und da steht nichts von "you can" sondern "each must". Warum darf ich als OpenSource-Entwickler keine Garantie für mein Programm geben? Diese Entscheidung sollte ja wohl mir als Autor überlassen bleiben.

    So, und bevor ich jetzt hier die GPLv3 in ihre Einzelheiten zerpflücke, hier halbe Romane schreibe und weitere solcher unnötigen und teilweise einschränkenden Klauseln aufführe, rate ich einfach mal jedem sich das ganze selbst nochmal intensiv durchzulesen und dabei auch mal auf die Formulierungen zu achten, denn die sind in einem Copyright-Verfahren durchaus sehr wichtig. Nicht umsonst bezeichnet man Anwälte als "Wortverdreher".
     
  14. #13 slasher, 10.10.2006
    slasher

    slasher König

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    ahja *g*.

    Ich zumindest kaufe ein Auto erst, wenn es andere für mich erprobt haben und die Mängel für mich dann einfacher zu analysieren sind :-).
     
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  16. pinky

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    Das normale Copyleft, das es schon immer in der GPL gab.

    Ich kenne hier keinen Paragraphen in GPLv3 der weiter geht als das normale Copyleft das wir aus GPLv2 kennen. Ausserdem kannst du als Entwickler natürlich jederzeit sagen "Das Programm ist GPLv3 aber ich erlaube das es gegen den proprietären CultSwitch gelinkt wird" und fertig.

    das gab es auch schon in GPLv2 (2c). Nur hatte man damals nur and command-line Programme gedacht. Ich finde es nur fair das derjenige seine Credits bekommt der sie verdient hat und das der Anwender informiert wird wer das Programm geschrieben hat und unter welcher Lizenz es steht. Es ist ja wirklich keine Einschränkung das wenn du auf mein Programm aufbaust auch meinen Namen in der About-Box lässt.

    Das ist ein ganz normale Regelung der Lizenz wie es auch schon GPLv2 hatte. Du kannst natürlich jederzeit gerne jede Art der Garantie übernehmen die über die Lizenz hinaus geht, wie auch schon bei GPLv2.


    Also die Einschrankungen für einen Entwickler konnte ich bisher noch nicht sehen. Ich kann mit GPLv3 Software alles machen was ich will. Will ich die Software aber unter die Leute bringen muss ich ihnen die gleichen Freiheiten einräumen die ich hatte, eben das alte und bewährt Copyleft Prinzip.
     
  17. #15 pinky, 10.10.2006
    Zuletzt bearbeitet: 10.10.2006
    pinky

    pinky König

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    Klar geht das, wie kommst du darauf, dass das nicht möglich wäre?

    Du hast die gleichen Probleme wie bereits unter GPLv2

    Linux kann nicht GPLv3 lizenziert werden, weil man dazu die Zustimmung von allen lebenden und toten Entwicklern bräuchte, was ziemlich unwahrscheinlich ist.
    Ich lasse den Kernel Hackern gerne ihre eigene Meinung. Aber bisher haben sie in jeder ihrer Statements gezieht oder als Unfall unwahrheiten über die GPLv3 verbreitet. Gleichzeitig verweigern sie sich Dialoge die solchen Sachen klären könnten. Ich weiß nicht wie du sowas nennst, aber für mich kommt das einem Troll relativ nahe.

    Falsch. Das GNU/Linux System besteht heute aus unendlich vielen Programmen, die zum Teil GPL kompatibel sind und zum Teil nicht. Das wird sich auch mit GPLv3 nicht ändern.

    Ich denke man kann die GPL auch ganz einfach verstehen ohne die Lizenz zu lesen. Die Lizenz im Detail zu lesen und zu verstehen muss man nur in zwei Situationen: Entweder du willst am aktuellen Prozess mithelfen, damit die GPLv3 so gut und sicher wie möglich wird oder du bist ein Anwalt einer Firma die krampfhaft eine Lücke in der Lizenz sucht um damit etwas zu machen was so nicht gedacht war.

    Als normaler Anwender, der die GPL respektiert, ist es relativ einfach:
    Die jeweils aktuelle GPL ist eine Lizenz die dir die Freiheit gibt die Software für jeden Zweck zu verwenden, sie zu modifizieren, sie zu kopieren und modifizierte Versionen weiterzugeben. Diese Freiheit hast du und wenn du die Software weiter gibst musst du allen anderen die selben Freiheiten zugestehen. D.h. du darfst die Freiheiten die du selber genossen hast anderen nicht vorenthalten, sei. es durch das Urheberrecht (Lizenzänderung), Patentrecht (indem du mir zwar über das Urheberrecht die Freiheit einräumst, sie mir dann über eine Patentklage wieder wegnimmst), über technische Maßnahmen (also indem du mir auf juristischen Weg die Freiheit einräumst, nachher deine Geräte aber so auslegst, dass sie z.B. nur deinen GPL-Code abspielen und nichtmehr meine Modifikationen) oder über jede andere juristsiche oder technische Möglichkeit die es in Zukunft evtl. geben wird..

    Oder in einem Satz formuliert: Alles was ich mit GPL Code machen konnte muss ich auch denen ermöglichen denen ich eine Kopie gebe.

    Wenn du in diesem Geist handelst, kannst du eingentlich so gut wie nichts falsch machen.
     
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