Google-Zensur in China: Medienbild vs. Realität

Dieses Thema im Forum "Member Talk & Offtopic" wurde erstellt von greenhawk, 26.09.2008.

  1. #1 greenhawk, 26.09.2008
    Zuletzt bearbeitet: 26.09.2008
    greenhawk

    greenhawk Mitglied

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    Überall hört man davon, dass Google in China eine total krasse Zensur von regierungskritischen Inhalten betreiben würde.
    Kritische Infos zu Themen wie der Unabhängigkeit von Tibet oder Taiwan, dem Tian'anmen-Massaker 1989 und Kritik an der KP werden gezielt herausgefiltert, heißt es an vielen Stellen.
    Um das nachzuprüfen, habe ich mal selbst Suchergebnisse von google.cn und google.com verglichen und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zensur offensichtlich nicht so krass ist, wie überall behauptet wird.

    Bei der Suche nach Tibet independence lieferte google.cn über 500.000 Treffer (im Gegensatz zu rund 300.000 bei google.com). Der englische Wikipedia-Artikel rangierte dabei an dritter Stelle.
    Allerdings erschien am Ende der Ergebnisliste folgender Hinweis: "据当地法律法规和政策,部分搜索结果未予显示。"
    Da ich dem Chinesischen leider nicht mächtig bin, kann ich das schlecht bewerten. Ich nehme aber mal an, dass es sich hierbei um die etwaige chinesische Entsprechung des deutschsprachigen "Aus Rechtsgründen hat Google [...] Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt." handelt.

    Ähnlich gestaltete sich die Ergebnisliste bei der Suche nach Taiwan independence.
    Hier hatte google.cn mit 484.000 Treffern die Nase knapp vorn. Der englische Wikipedia-Artikel zum Thema stand an erster Stelle.

    Überrascht war ich schließlich, als ich eine Anfrage nach Tian'anmen massacre abgesetzt habe.
    Hier findet google.cn zwar mit 18.000 Treffern nur unwesentlich mehr als google.com (13.000).
    Die chinesische Seite schlägt aber zusätzlich die Suche nach Tiananmen massacre vor und schießt einem dabei ganze 125.000 Ergebnisse entgegen. Unter den ersten Listeneinträgen finden sich dabei wieder die englische Wikipedia sowie die BBC und offensichtlich wenig beschönigendes Bildmaterial.

    Zum Abschluss habe ich mir noch die Suchergebnisse zum Thema Falun Gong angesehen. Dort stimmt das Bild, das von den Medien hierzulande vermittelt wird anscheinend voll und ganz:
    Google.cn: 25.000 Treffer, nur Negativschlagzeilen, sowie die zwei Hinweise "据当地法律法规和政策,部分搜索结果未予显示。" (s. oben) und "您是不是要找: 法轮功". (Den Bedeutungsgehalt der Hinweise kann ich, wie gesagt, nicht bewerten.)
    Google.com: 2,5 Millionen Treffer, keine Hinweise.

    Die Internetzensur von Google China scheint sich also eher auf religiöse Sekten zu beziehen, als auf politische Inhalte, was natürlich genauso zu verurteilen ist.
    Bedenklich an der ganzen Sache ist, dass die deutschen Medien - und nicht nur die - hier anscheinend den gleichen Kurs gefahren haben, wie die ARD vor einiger Zeit im Interview mit Putin.

    PS: Für diejenigen, die meine Rechercheergebnisse mal selbst nachvollziehen wollen, spreche ich mal folgende Hinweise aus:
    1. Schaltet Cookies und JavaScript ab.
    2. Nutzt TOR.
    3. Google blockt eine Reihe von TOR-Servern. Deshalb macht es Sinn, die Benutzung von TOR zu verstecken. Das kann man erreichen, in dem man einfach zusätzlich Anonymouse nutzt.
    3. Suchanfragen werden dann in folgender Form abgesetzt abgesetzt: hxxp://www.google.com/search?q=[Begriff 1]+[Begriff 2] bzw. hxxp://www.google.cn/search?q=[Begriff 1]+[Begriff 2].
     
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  3. a.b.

    a.b. Foren As

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    Was soll der hxxp://-quatsch?
     
  4. #3 Linthorul, 26.09.2008
    Linthorul

    Linthorul Arch Luxer

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    Habe mal den einen chinesischen Hinweis mit Google Translate übersetzt:
    Übrigens: Pro-*** zensiert auch
     
  5. #4 gropiuskalle, 26.09.2008
    gropiuskalle

    gropiuskalle terra incognita

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    Eine chinesische Suchmaschine mit englischen Suchwörtern zu füttern um herauszufinden, ob da zensiert wird, dürfte kaum zu aussagekräftigen Ergebnissen führen. Behandel die doch mal mit etwas in mandarin oder kantonesisch.
     
  6. #5 bitmuncher, 26.09.2008
    bitmuncher

    bitmuncher Der Stillgelegte

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    Und verwende vor allem einen Proxy-Server, der dort steht.
     
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